Ratgeber 2026
Ladeverluste beim E-Auto: Warum aus der Steckdose mehr kWh fließen als im Akku ankommen
Ein Effekt, den jede Ladeform betrifft — mit einer Wallbox lässt er sich aber begrenzen.
Wer den Stromzähler mit dem, was die Fahrzeug-App als geladene Energiemenge anzeigt, vergleicht, stellt oft eine kleine Differenz fest: Am Hausanschluss wird etwas mehr Energie gemessen, als am Ende im Akku ankommt. Dieser Effekt heißt Ladeverlust und betrifft grundsätzlich jede Form des Ladens, unabhängig davon, ob Sie über eine Wallbox oder ein mobiles Ladegerät laden.
Warum Ladeverluste überhaupt entstehen
Beim Laden eines Elektroautos wird Wechselstrom aus dem Hausnetz im Fahrzeug in Gleichstrom umgewandelt, mit dem der Akku tatsächlich geladen wird. Diese Umwandlung übernimmt der sogenannte Onboard-Lader im Fahrzeug. Wie bei jeder elektrischen Umwandlung entsteht dabei ein Teil der eingesetzten Energie als Wärme, die nicht mehr für das eigentliche Laden zur Verfügung steht. Zusätzlich entstehen kleinere Verluste durch den elektrischen Widerstand in Kabeln und Steckverbindungen sowie durch die Kühlung oder Konditionierung des Akkus, insbesondere bei sehr niedrigen oder sehr hohen Außentemperaturen.
Eine einfache Beispielrechnung zur Einordnung
Um den Effekt greifbar zu machen, hilft ein vereinfachtes Rechenbeispiel: Zeigt Ihr Stromzähler für einen Ladevorgang einen Bezug von 20 kWh an, könnten davon angenommen 18 kWh tatsächlich im Akku ankommen — die restlichen 2 kWh wären in diesem Beispiel als Umwandlungs- und Leitungsverluste zu verstehen. Diese Zahlen sind ein reines Rechenbeispiel zur Veranschaulichung und keine allgemeingültige Kennzahl, da die tatsächliche Höhe von Fahrzeug, Ladeleistung, Kabellänge und Temperatur abhängt und sich von Ladevorgang zu Ladevorgang unterscheidet.
Welche Faktoren die Höhe der Verluste beeinflussen
Mehrere Faktoren wirken auf die Höhe der Ladeverluste ein. Eine niedrigere Ladeleistung führt tendenziell zu einem höheren relativen Verlustanteil, da bestimmte Grundverluste der Elektronik unabhängig von der übertragenen Leistung anfallen. Lange oder dünne Kabel sowie viele Steckverbindungen erhöhen den elektrischen Widerstand auf dem Übertragungsweg und damit ebenfalls den Verlustanteil geringfügig. Auch niedrige Außentemperaturen wirken sich aus, da der Akku dann häufig zusätzlich temperiert werden muss, was zusätzliche Energie kostet.
Wie Sie den Verlustanteil in der Praxis gering halten
Ein kurzes, hochwertiges Ladekabel mit passendem Querschnitt reduziert unnötigen Widerstand auf dem Übertragungsweg. Für Fahrzeuge, die regelmäßig am selben Stellplatz laden, ist deshalb ein möglichst kurzes, aber ausreichend langes Kabel oft sinnvoller als ein überlanges Modell auf Vorrat.
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Preis auf Amazon prüfenErgänzend spielt auch die Wahl der Ladeleistung eine Rolle: Eine für Ihr Fahrzeug passend dimensionierte Wallbox mit stabiler, ausreichend hoher Ladeleistung arbeitet meist etwas effizienter als ein sehr schwach dimensionierter Anschluss. Welche Leistungsklasse für Ihr Fahrzeug sinnvoll ist, erklärt unser Ratgeber 11 oder 22 kW. Auch die grundlegenden Unterschiede zwischen Ladeleistung und tatsächlicher Ladezeit erläutern wir ausführlich in Ladeleistung und Ladezeit verstehen.
Situationen, in denen der Verlustanteil spürbar steigt
In einigen Situationen fällt der relative Verlustanteil merklich höher aus als im Durchschnitt. Bei sehr niedrigen Außentemperaturen im Winter muss der Akku vor oder während des Ladens häufig zusätzlich temperiert werden, was zusätzliche Energie bindet, die nicht direkt in die Ladekapazität fließt. Auch bei sehr geringer Ladeleistung, etwa wenn eine Wallbox aus Sicherheits- oder Lastmanagementgründen stark gedrosselt lädt, steigt der relative Verlustanteil, da bestimmte Grundverluste der Fahrzeugelektronik unabhängig von der tatsächlich übertragenen Leistung anfallen. Wer sein Fahrzeug regelmäßig bei sehr niedrigen Temperaturen im Freien lädt, sollte diesen Effekt einkalkulieren, auch wenn er sich nicht exakt beziffern lässt.
Einphasiges gegenüber dreiphasigem Laden
Ein weiterer Einflussfaktor ist die Anzahl der genutzten Phasen. Einphasiges Laden mit geringer Leistung, etwa an einer einfachen Steckdose, führt tendenziell zu einem höheren relativen Verlustanteil als dreiphasiges Laden mit einer für das Fahrzeug passenden, höheren Leistung, da die Grundverluste der Ladeelektronik anteilig stärker ins Gewicht fallen. Das ist einer von mehreren Gründen, warum eine fest installierte, dreiphasige Wallbox für den regelmäßigen Ladebetrieb gegenüber einer einfachen Steckdosenlösung auch unter diesem Gesichtspunkt vorteilhaft sein kann. Die grundsätzlichen Unterschiede zwischen beiden Ladeformen erläutert unser Ratgeber Wallbox oder Steckdose laden ausführlicher.
Fazit
Ladeverluste sind ein normaler, physikalisch bedingter Begleiteffekt jedes Ladevorgangs und lassen sich nicht vollständig vermeiden. Mit einem passend dimensionierten Ladekabel, einer für Ihr Fahrzeug sinnvollen Ladeleistung und einer fachgerecht installierten Wallbox halten Sie den Verlustanteil in einem überschaubaren Rahmen, ohne dass Sie sich im Alltag ständig damit beschäftigen müssen.